Zum Gedenken an den Dirigenten des Musikvereins Odenheim Moritz Vetter (geb. 10.02.1891 – gest. 01.03.1945)

Die Musikalität von Moritz Vetter lebt bis heute ununterbrochen weiter im Odenheimer Musikverein – und das bis in die 5. Generation hinein

Der MVO im Jahre 1928 mit seinem Dirigenten Moritz Vetter.
Am 10. Februar 1891 wurde Moritz Vetter als Sohn der Eheleute Franz Anton Vetter und Theresia Vetter, geb. Heckert, in Odenheim geboren – und würde somit dieses Jahr seinen 135. Geburtstag feiern. Moritz Vetter gilt als einer der ersten prägenden Persönlichkeiten des Odenheimer Musikvereins.
Als Dirigent hat er schon früh Verantwortung in dem noch jungen Verein – das offizielle Gründungsjahr wird auf 1898 datiert – übernommen. In der Vereinschronik des MVO wird er als zweiter Dirigent in der Vereinsgeschichte geführt. Ein Foto aus dem Jahre 1927 anlässlich des bevorstehenden 30-jährigen Stiftungsfestes des Odenheimer Musikvereins zeigt Moritz Vetter als Dirigenten.
In dieser Zeit war Moritz Vetter auch Dirigent vom Musikverein Oberöwisheim. Zur Probe fuhr er mit dem Fahrrad in die Nachbargemeinde. Und bei der meist späten Rückfahrt leuchtete ihm eine Karbidlampe den Weg durch die Nacht.
Das Dirigentendasein führte er aus bis zum 1. März 1945, als durch den schrecklichen Bombenangriff der Alliierten in Bruchsal sein Leben im Alter von nur 54 Jahren jäh beendet wurde – und damit auch sein leidenschaftliches Engagement für die Musik.
Bevor Moritz Vetter in den 1920er Jahren den Dirigentenstab übernahm, spielte er Trompete im Musikverein. Ein Gruppenfoto aus dem Jahre 1911 zeigt den damals 20-jährigen Moritz stolz mit seiner Trompete.

Moritz Vetter als junger Trompeter (hintere Reihe, erster von links).
Wie sehr die Musik im Hause der Familie von Moritz Vetter verankert war, zeigt auch eine Familienaufnahme im Garten des Wohnhauses in der Neuen Schulstraße, im „Sträßl“, wie man früher sagte. Dieses Foto zeigt die Eheleute Vetter, die 1917 geheiratet haben, mit ihren beiden Kindern Walter (geb. 1918) und Maria (geb. 1924).

Moritz mit seiner Frau Theresia und den Kindern Walter und Maria.
Die Instrumente und die Musik waren also Teil der Familie Vetter und immer dabei, wie man auf diesem Foto schön sehen kann.
Dass der Musiker und Dirigent Moritz Vetter seinen Sohn Walter zur Musik führte, war wohl vorgezeichnet, auch weil Walter sich sehr aufgeweckt und interessiert zeigte. Dabei sorgte Moritz nicht nur dafür, dass Sohn Walter ein hervorragender Posaunist wurde. Darüber hinaus bildete er Moritz als Schlagzeuger aus, so dass er immer einspringen konnte, wenn er am Schlagzeug gebraucht wurde. Und dass Walter mit seiner Posaune auch mal die Tuba-Stimme übernehmen musste, verstand sich gewissermaßen von selbst.
Neben dem Einsatz an den Instrumenten hat Moritz Vetter seinen Sohn Walter auch als „Notenschreiber“ eingesetzt. Als Dirigent schrieb Moritz Vetter damals viele Stimmen für das Orchester selbst und Walter musste die Stimmen dann „vervielfältigen“ – was in Ermangelung eines Kopierers bedeutete, er durfte diese per Hand abschreiben und auf Notenpapier übertragen.
Dass das Musizieren im Odenheimer Musikverein auch schon früher mit Geselligkeit verbunden war, zeigt dieses Foto aus dem Ende der 1920erJahre/Anfang der 1930er Jahre:

Moritz Vetter (vierte Reihe mit Trompete und Mostglas in der Hand), dahinter Sohn Walter mit Fanfare und Theresia Vetter (links). Weitere Musiker (v.r.n.l.): Anton Bahm mit Tuba, Otto Weidemann mit Klarinette und Wendelin Zorn mit Trompete.
Entstanden ist dieses Foto vor dem Wohnhaus der Familie Vetter im „Sträßl“. Anlass war wohl ein Fest im Hause Vetter, zu dem sich Musiker zu einem Ständchen einfanden, die dann auch mit einem Glas Most belohnt wurden. Die in der Nachbarschaft lebende große Schar von Kindern durften dabei natürlich auch nicht fehlen.
Die Tochter von Moritz Vetter, Maria, war ebenfalls sehr musikalisch. Der damaligen Zeit und dem entsprechendem gesellschaftlichen Rollenbild geschuldet war ihr aber ein aktives Musizieren im Musikverein verwehrt. Auf einer alten Geige, die Maria im Speicher ihres Elternhauses fand und die nur noch eine Saite hatte, musizierte sie heimlich und entlockte dem stark lädierten Instrument so gut es ging noch Töne. Später – als Mutter und Oma – spielte sie gerne auf ihrer Mundharmonika Volkslieder und Schlager, die sie sich selbst beigebracht hatte.
Maria hat ihre Musikalität in der Familie weitergegeben – und so führten die beiden Enkel von Moritz Vetter, Hermann und Gerd Rinck, von deren frühester Jugend an als Flügelhornisten die Tradition der Blasmusik im Odenheimer Musikverein weiter.
Mit Bettina Breuner sowie Matthias und Timo Rinck sitzen dann auch schon die Generation der Ur-Enkel im Orchester, und mit Felizitas und Jessica Breuner gar schon die Ur-Ur- Enkelinnen.
Was also einst vor über 100 Jahren mit Moritz Vetter begann, lebt heute in seinen Nachkommen weiter; getragen von Leidenschaft, Gemeinschaft und der tiefen Verbundenheit zur Blasmusik – und das bis in die fünfte Generation hinein.

Musikverein Odenheim heute mit Gerd, Matthias und Timo Rinck sowie Bettina, Jessica und Felizitas Breuner
Tags: Geschichte des MVO
Dieser Artikel wurde am Sonntag, den 22. Februar 2026 um 11:27 Uhr von veröffentlicht und wurde unter Aktuelles abgelegt.